Stadt Mannheim

Auszug aus der Festschrift zur 125-Jahrfeier 1982:

Mannheim als Jubiläumsstadt.

Diese drei Worte kann man dieses Jahr fast jeden Tag in den Mannheimer Zeitungen lesen, die Jubiläumsausstellung hat eine starke Anziehungskraft. Um so erfreulicher war es für die hiesigen Imker,daß auch der badische Landesverein für Bienenzucht seinen Jubiläumskogress in Mannheim abhielt. Eine Jubiläumsfeier in der Jubuläumsstadt. Von einer Ausstellung von Geräten und Produkten der Bienenzucht hatte man abgesehen und war man daher umsomehr bemüht, den lieben Imkern den Aufenthalt so angenehm als möglich zu gestalten, da man sich in Mannheim sagte, ein Kongress ohne Ausstellung wird nicht viele Imker nach Mannheim ziehen. Unsere Ansichten haben sich aber schon am ersten Tag geändert; denn der Besuch war überalle Erwartungen gut ausgefallen. Schon am Freitag, den 23. August war Herr Pfarrer Graebener als Vertreter des Landesvereins erschienen, um noch einmal nach dem Rechten zu sehen, war doch derselbe in den letzten Wochen wiederholt in Mannheim, um alles Nötige zu besorgen. Seiner umsichtigen Leitung und Sachkenntnis haben wir auch hauptsächlich den schönen Verlauf des Festes zu verdanken. Wohl war uns Mannheim am Samstag früh nicht ganz wohl zu Mute; denn der Himmel machte ein ganz betrübliches Gesicht und bald regnete es in Strömen, aber gegen Mittag bekamen wir das schönste Jubiläumswetter. Schon der Vormittag brachte uns einige Festgäste und bis Abend waren ungefähr 40 fremde Teilnehmer angekommen.

Im Hotel National, in nächster Nähe des Bahnhofs, war das Festbureau eingerichtet, in welchem die ankommenden Gäste sofort alles Nötige erhalten konnten, als Festabzeichen, Wohnungsanweisung, Eintrittskarten für die Kunst- und Gartenbauausstellung, sowie für eine Dampferfahrt auf dem Rhein und Neckar, ebenso die Karten für das Festessen. Für die fremden Gäste war eine Anzahl Mannheimer Schüler zur Verfügung, ausgestattet mit Festabzeichen, welche sofort dieselben in ihre Quartiere geleiteten. Der erste Aben war der Unterhaltung gewidmet. Um 9 Uhr versammelten sich die anwesenden Gäste mit den Mannheimer Imkern im unteren Saale des Karl Theodor, wo man bemüht war den Abend so angenehm als möglich zu gestalten. Nachdem der 1. Vorsitzende des Bezirksvereins Mannheim Herr Beisel, in kurzen aber kernigen Worten die Anwesenden begrüßt und auf die Bedeutung des Festes hingewiesen, gab derselbe einen kurzen Überblick auf die Mannheimer Ausstellung und hob besonders hervor, daß im Ausstellungsraum, welcher ja hauptsächlich dem Gartenbau gewidmet, ein Paradies, ein Garten-Eden entstanden sei mit einem Blumenflor, wie sich ihn wohl mancher Imker an seinem Bienenstand wünschen würde. Nach dieser Einleitung folgten Vorträge ernsten und heiteren Inhalts. Einen großen Teil der Unterhaltung hatte ein Komiker übernommen, der bald die Lacher auf seine Seite brachte. Auch ein Sängerquartett erfreute die Imker und nur zu früh schlug die Trennungsstunde, denn der Morden rief zu neuer Arbeit.

Hier brachten schon die ersten Züge eine Zahl fremder Gäste und bis Mittag zeigte die Präsenzliste bereits das zweite Hundert voll. Um 11 Uhr war eine Vorbesprechung der Wahlen im Hotel „Fallstaff“. Nachmittags 3 Uhr versammelte man sich zum Festakt im Sitzungssaal des Bürgerausschusses im alten Rathause. Die Stadtverwaltung hatte den Saal in sinniger Weise durch reichen Blumenflor ausschmücken lassen. in der Mitte zwischen hohen Lorbeerbäumen hatte die Vereinsfahne Aufstellung gefunden. Rechts davon auf einer Staffelei die lebensgroßen Bildnisse von Dr. Dzierzon, Professor v. langsdorff, Dekan Weingärtner, Alois Kühn, L. Huber, Pfarrer Kern, Hauptlehre Fütterer und Hauptlehrer Roth.

Nach einem Musikstück trug Frl. Marie Weckesser einen Prolog vor. Der 2. Vorsitzende des Landesvereins, Herr Stadtpfarrer Schweizer-Schopfheim, begrüßte hierauf die zahlreiche Festversammlung (Saal und Tribüne faßten kaum die Erschienenen). Er wies darauf hin, daß gerade Mannheim eine Jubilarin sei, auch der Landesverband heute im Jubiläumskleide an die Öffentlichkeit trete. Redner übermittelt Stadt Mannheim die Glückwünsche des Verbandes zu ihrem dreihundertjährigen Bestehen. Redner bedauerte, daß der erste Vorsitzende, Herr Geh. Regierungsrat Frech, der den Verband 14 Jahre leitete, infolge Krankheit verhindert sei, dem Fest anzuwohnen. Er begrüßte sodann die Vertreter der Stadtverwaltung und des Bezirksamtes, der Generaldirektion der badischen Eisenbahn, sowie die Delegierten der Landesverbände von Elsaß-Lothringen, Württemberg und Hessen. Er schloß mit einem Hoch auf den Landesherrn, in welches begeistert eingestimmt wurde. An S. K. H. den Großherzog wurde ein Telegramm abgesannt.

Herr Bürgermeister v. Hollander begrüßte als Vertreter der Stadt die Imker. Namens der Regierung sprach Herr Polizeidirektor Korn der fünfzigjährigen Jubilarin, welche bei der dreihundertjährigen zu Gaste sei, die Glückwünsche aus. Herr Regierungsrat Bitterich-Karlsruhe überbrachte die Glückwünsche der General-Direktion der Badischen Staats-Eisenbahnen. Als Vertreter des Bad. Landwirtschaftlichen Vereins wohnte Herr Geh. Oberregierungs-Rat Salzer-Emmendingen an.

Nachdem noch die Vertreter der Landesverbände von Würtemberg, Elsaß-lothringen und Oberhessen ihre Glückwünsche zum Ausdruck gebracht, gab Herr Pfarrer Graebener-Hoffenheim in seiner Festrede einen Überblick auf die Gründung und Entwicklung des Vereins, der währen seines 50jährigen Bestehens schon Großes geschaffen. Anläßlich einer landwirtschaftlichen Ausstellung in Karlsruhe am 23. Juli 1857 gegründet, sollte der Verband nicht nur eine Stütze der damals wenigen Imker sein, sondern es galt vor allem, denselben die Modernen Errungenschaften auf dem Gebiete der Bienenzucht an die Hand zu gehen. Die Gründung des Verbandes ist das Verdienst des verstorbenen Hauptlehrers Huber. Redner gedachte noch derjenigen Männer, welche den Verband zu dem gebracht, was er heute ist.

Ferner dankte er der Großh.- Regierung, sowie den Kreisverbänden und der General-Direktion der badischen -Eisenbahn für ihr Entgegenkommen und gedachte des großen Interesses, welches die Großherzogin für die Bienenzucht bekundet.

Weiter machte er Mitteilung, daß der Redakteur des Verbandes, Herr Hauptlehrer Roth-Durlach dem Verein ein Festgeschenk gegeben habe in dem Buch „Bienen und Bienenzucht in Baden“. — Zum Schusse seiner Ausführungen gab Herr Pfarrer Graebener der Hoffnung Ausdruck, daß alle die Wünsche, welche die Verhandlung begleiten, in Erfüllung gehen möchten.

Hierauf trug Frl. Luise Weckesser noch ein sinniges Gedicht vor und erntete reichlichen Beifall. Ein weiteres Musikstück beendete die würdig und schön verlaufene Feier, an welche sich alsdann zwei Vorträge anschlossen und zwar von Oberlehrer Kilchling-Tenigen über: „Vorwärts sei die Losung“ und Parrer Schweizer-Oberhomberg über: Praktische Winke auf dem Gebiet der Bienenzucht“.

An diese Vorträge konnte sich nur eine kurze Diskussion anschließen; denn man drängte zum Schluß, um in die Kunst- und Gartenbauausstellung zu kommen und bald war die Ausstellung von Festteilnehmern überflutet und überall trat das Festzeichen der Imker zu Tage. Im Ausstellungskinematograph wurde auf Verwendung des Herrn Pfarrer Graebener eine Serie vorgeführt, welche das Leben und Treiben der Bienen in ausgeprägtem Maße veranschaulichte. Manchem Besucher mochte die Zeit wohl zu schnell verschwunden sein; denn es war auf ½9 Uhr eingeladen zum Festbankett im Versammlungssaal des Rosengarten. Man hatte diesem Rufe Folge geleistet und nach kurzer Zeit war der Sasl dicht gedrängt gefüllt. Auch hier verstrich die Zeit zu schnell; denn der ganze Verlauf war ein höchst angenehmer. Nach Vortrag eines Musikstückes wurde die Feier eröffnet durch ein Lied, vorgetragen vom Sängerquartett des Gesangsvereins Sängerhalle worauf der 2. Vorsitzende des Verbandes, Herr Pfarrer Schweizer, das Bankett eröffnete und seine Festrede mit einem Toast auf den Großherzog schloß.

Herr Pfarrer Graebener dankte der Stadt Mannheim und brachte ihr ein Hoch aus. Herr Dennler–Straßburg hob das gute Einvernehmen hervor, welches ihn schon vor dem Jahre 1870 mit den deutschen Imkern verbunden habe. Er denke mit Freuden an die erste Einladung, welche er, damals noch Franzose, zur deutschen Wanderversammlung erhalten habe und welchem Rufe er gerne gefolgt sei. Er gedachte mit Schmerzen des Sommers 1870, wo in Straßburg anstatt der Bienen die Granatsplitter mit großem Gesumme die Luft erschütterten. Anschließend an seine Rede wurde mit Musikbegleitung das Lied „O Staßburg” gesungen. Im Namen der Mannheimer sprach Herr Stadtverordneter Bezirkstierarzt Ulm. Er dankte den anwesenden Gästen und schilderte in humorvollen Worten, daß in Mannheim sehr viel Honig verkonsumiert würde. Er selbst, obwohl nicht Imker, trage sein gut Teil dazu bei. Er schloß mit dem Wunsche, daß die Bienenzucht immer mehr gedeihen möge.

Herr Spitz–Stadel betonte, daß er als Kind des Feldbergs gerne dem Ruf in die Rheinebene nach Mannheim gefolgt sei. Sein Hoch galt den Frauen, welche ja in der Bienenzucht allezeit eine große Rolle spielte.

Von der Festleitung war eine kleine Sammlung von Imkerliedern gedruckt und unter die Anwesendenverteilt worden. Sie wurden unter allbekannten Melodien mit Begeisterun gesungen. Zur Verschönerung des Festes trugen die Gesangsvorträge des Sängerquartetts wesentlich bei. Das Quartett verfügt über gutes Stimmaterial und die Darbietungen zeigten eine gute Schulung.

Nur zu schnell verfloß die Zeit; den der andere Morgen rief die Festteilnehmer zu ernster Arbeit, zur Generalversammlung in der alten Aula des Realgynasiums morgens 8 Uhr. Die Vertreter der Bezirke hatten dem Rufe pünklich Folge geleistet, ebenso waren verschiedene Mitglieder anwesend. Die meisten Festgäste, welche nicht gerade einen Bezirksverein zu vertreten hatten, zogen es jedoch vor, der Ausstellung einen Besuch abzustatten, wo es sich jedenfalls angenehmer lustwandeln ließ als die Aufmerksamkeit den Verhandlungen zu widmen. Der Stoff, welcher zur Verhandlung vorlag, war reichhaltig und von großer Bedeutung und war infolgedessenauch die Diskussion eine sehr lebhafte, so daß die Pause, welche auf 10 Uhr angesetzt war, erst um ½12 Uhr eintreten konnte, und das Mittagessen auf ½2 Uhr verschoben wurde.

Als auch diese Zeit heranrückte, war man noch nicht mit Punkt 11 der Tagesordnung zu Ende und mußte die Verhandlungen geschlossen werden. Es wurde eine Kommission gewählt, welche in einer späteren Tagfahrt im Auftrag der Generalversammlung die nicht zur Verhandlung gelangten Sachen zu erledigen hat.

Von auswärtigen Vertretern war anwesend Herr Oberlehrer Fischer–Ellwangen. Ebenso waren erschienen das Ehrenmitglied Herr Seminaroberlehrer a. D. Schweikert–Karlsruhe und der langjährige frühere Vereinskassier Rats–Friedrichstal.

Das Protokoll über die Generalversammlung folgt an anderer Stelle

Nun ging es in raschem Tempo nach dem Ballhause zum Festessen, an welchem sich etwas über 80 Personen beteiligten.

Auch hier mußte mit Bienenfleiß gearbeitet werden, um rechtzeitig zu Ende zu kommen, denn um ½4 Uhr war als Abschluß des Ganzen eine Dampferfahrt angesetzt. Hier wurde das Resultat der Vorstandswahl mitgeteilt, wonach Herr Pfarrer Graebener–Hoffenheim als 1. Vorstand und Herr Spitz–Stadel als Beirat gewählt wurden. Nach einem Dankeswort der Gewählten brachte Herr Pfarrer Schweizer das begeistert aufgenommene Hoch auf dieselben aus.

Die Beteiligung an der nun folgenden Dampferfahrt war eine sehr große. Es hatten sich gegen 600 Teilnehmer eingefunden, welche auf 3 stattlichen Dampfern untergebracht und alsbald sich den schaukelnden Wellen anvertrauten. Unter den Klängen der Hammel’schen Kapelle, sowie unter lebhaften imkerliedern, auch das Sängerquartett hatte sich eingestellt und erfreute das Puplikumm mit seinen Darbietungen, ging die Fahrt flott von statten.

Zuerst den Rhein abwärts, dann in die Verbindungskanäle, alsdann den Neckar aufwärts bis zur Neckarbrücke und sodann wieder zurück zur Abfahrtsstelle. Hier war den fremden Gästen Gelegenheit geboten, die Bedeutung Mannheims für den Schiffsverkehr kennen zu lernen und sehr häufig konnte man Ausrufe der Überraschung hören. Es war aber auch eine prächtige Fahrt inmitten des geschäftigen Treibens der Schiffe und Verladestellen. Gerne hätte man die Fahrt noch weiter ausgedehnt, aber man mußte den fremden Gästen Rechnung tragen, von denen ein großer Teil wieder mit den Abendzügen abreiste. Die Zurückgebliebenen statteten der Ausstellung noch einen Besuch ab und besonders das herrliche Restaurant Zillertal zeigte das Festzeichen der Bienenzüchter an fast allen Tischen. Erst in später Stunde trennte man sich mit der Hoffnung auf ein frohes Wiedersehen im Jahr 1909.

So liegen nun diese herrlichen Tage hinter uns, zwar vergangen, aber nicht vergessen. Welch freudige Begrüßungsworte konnte man oft hören von Freunden und Bekannten, welche diese Gelegenheit benutzten um sich wieder einmal zu begrüßen.

Herrliche Tage sind es gewesen in jeder Hinsicht und gebührt der Stadt Mannheim der wärmste Dank für ihr Entgegenkommen. Waren doch die Eintrittspreise für die Ausstellung so günstig, daß sie unsere Erwartungen weit übertrafen. Auch für die kostenlose Überlassung der verschiedenen Versammlungssäle, sowie Ausschmückung derselben, ebenso kostenlose Überlassung der Dampfschiffe hat sich die Stadtverwaltung in vollstem Maße erworben. Und nun frisch den Blick in die Zukunft und frohes Wiedersehen in Lörrach.

Soweit die Jubiläumsfeier von 1907. Zitiert aus der Jubiläumsschrift vom 125jährigen Jubiläum des Mannheimer Bienenzüchtervereins im Jahre 1982. Damals hatte die Stadt Mannheim noch viel Geld und die Imker waren auch angesehene Leute.

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