Baden

Auszug aus der Festschrift zur 125-Jahrfeier 1982:

50 Jahre Bienenzucht in Baden.

Der Landesverein für Bienenzucht in Baden ist in der angenehmen Lage, bei seiner Jubiläumsfeier einen klaren Rückblick auf die Vergangenheit des Vereins und die Bienenzucht in Baden überhaupt zu haben. Wir verdanken dies den umfassenden Forschungen des Herrn Roth, die derselbe in seinem Buch: „Bienen und Bienenzucht in Baden” niedergelegt hat.

Es ist darum nicht unsere Absicht, hier eine genauere geschichtliche Darstellung zu geben, wir wollen vielmehr lediglich an der Hand einiger Abrisse aus diesem Buch und erläutert durch einige der schönen Abbildungen desselben einen Einblick gewähren in den reichen geschichtlichen Stoff.

Die Arbeit des Landesvereins für Bienenzucht baute sich auf eine lange Geschichte des Imkereibetriebes in unserem Lande auf, der herausgewachsen war aus der alten Waldbienenzucht. Einst sah man im Bienenvolke nicht mehr als ein Gebilde zur gelegentlichen Beraubung. Erst als die Bewohner unseres Landes sich zu höherer Kultur durchgerungen hatten, da konnte die eigentliche Bienenzucht Wurzel fassen. Denn Kultur und Bienenzucht stehen in demselben Verhältnis zu einander wie Mutter und Kind. Und aus der anfänglich recht primitiven Bienenhaltung konnte sich dann die Bienenzucht entwickeln, als die fortgeschrittene Kultur den Menschen befähigte, seinen Eingriffen in den Bienenhaushalt die vernichtende Wirkung zu nehmen und ihnen eine das Bienenleben fördernde Richtung zu geben.

Einen der ersten Fortschritte brachten die Klöster. Für die Mönche war die Bienenzucht eine sinnige Besch&aum;ftigung und zudem befriedigte sie das große Bedürfnis an Wachs. Auch in den Gebieten, die unser badisches Heimatland ausmachen, befanden sich schon frühe Klöster und mit ihnen ist wohl die Bienenzucht bei uns heimisch geworden. Bestimmt wissen wir das aus der Regierungszeit Karl des Großen, auf dessen Höfen und Lehensgütern laut urkundlichen Nachweisen Bienenzucht getrieben wurde, ja getrieben werden mußte. Doch ist noch manches Jahrhundert vergangen, bis sich deutliche Spuren einer Hausbienenzucht nachweisen lassen. Sicher ist, daß um 1550 bei uns bereits in Strohkörben Bienenzucht getrieben wurde, wie aus einem Büchlein des Villinger Georg Piktorius zu entnehmen ist. Im 18. Jahrhundert fand dann auch die Bienenzucht die entsprechende Würdigung und Unterstützung des Staates, ja um 1768 wurde bereits Georg Adam Lang aus Linkenheim beauftragt, „jährlich wenigstens viermal die Ortschaften des Oberamtes zu besuchen und die Bienenbesitzer in dem Vorkommenden anzuweisen”. Von da ab durfte sich die Bienenzucht in Baden einer immer mehr zunehmenden Unterstützung erfreuen und als die verschiedenen Landesteile zum Großherzogtum vereinigt wurden, da fanden sich überall Bienen, wenn auch noch in sehr geringer Zahl. Nun aber traten nacheinander Männer auf, die sich die Förderung der Sache angelegen sein ließen. Auf Seiten der Regierung förderten die Bienenzucht Geheimrat Reinhard und Hofrat von Holzing. Neben dem eifrigen Lehrer Johann Seiler von Heuweiler sei Pfarrer Johann Baptist Vogelbacher genannt, der im Jahre 1828 ein Bienenbüchlein erscheinen ließ. Mit unter die Förderer der Imkerei trat auch der Landwirtschaftliche Verein und gewiß sind alle so gegebenen Anregungen nicht umsonst gewesen, denn 1855 wurden in Baden 49145 Bienenvölker gezählt. Freilich war die Ernte keine der Völkerzahl entsprechende.

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Das wurde erst anders, als der Mobilbetrieb, die sogenannte Dzierzonbeute auch bei uns Eingang fand und das verdankt Baden dem Landesverein für Bienenzucht in Baden und dessen Gründern. Der Mann, von dem die ganze Bewegung ausging, der mit klarem Blick den Vorteil des beweglichen Baues erkannte, war Hauptlehrer Huber in Niederschopfheim. Schon 1851 besaß er 53 Völker. Die guten Erfahrungen, die er im kommenden Winter mit den 3 Dzierzonstöcken machte, bewogen ihn zu alsbaldiger Umänderung seiner ganzen Bienenzucht. Der alte Strohkorb verschwand, die Stände füllten sich mit Mobilstöcken und seine Kannen mit Honig. 1856 gab er einen „Bienenbilderbogen” heraus und 1857 die erste Auflage seines Buches „Die neue nützliche Bienenzucht oder der Dzierzonstock”. Seine bedeutendste Tat zur Hebung der badischen Bienenzucht war jedoch unstreitig die Gründung des Landesvereins. Am 7. Juli 1857 erließ er einen Aufruf hierzu und gelegentlich der landwirtschaftlichen Ausstellung in Karlsruhe wurde am 23. Juli 1857 der „Bienenverein”, wie er auf Huberts Wunsch hieß, begründet. Außer Huber waren bei der Gründung Gartenvorstand von Langsdorff in Karlsruhe und Anwalt Bühler von Offenburg tätig. Herr von Langsdorff, jetzt Professor und wohnhaft in Tharandt im Königreich Sachsen, ist der einzige noch lebende Mitbegründer des Vereins. Auf einer späteren Versammlung wurde Herr Dekan Weingärtner in Oberkirch zum 1. Vorstand gewählt. Nach ihm übernahm Fabrikant Bertsch in Pforzheim die Vereinsleitung auf kurze Zeit, da er schon ein Jahr später, 1868, starb. Nach kurzer Zwischenzeit wurde Oberamtmann Dilger in Achern zum Vereinsleiter berufen, der dann 1871 von seinem Amt zurücktrat. Von 1871 bis 1875 war Bahnhofsverwalter Franz Huber in Oos 1. Vorstand, worauf dann Pfarrer Kern in Eggenstein gewählt wurde, der an der Spitze des Vereins bis 1894 stand. Von 1894 bis zu seinem infolge Erkrankung notwendig gewordenen Rücktritt im Jahre 1907 leitete Herr Geheime Regierungsrat Frech in Rastatt den Verein.

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Manche Kämpfe und manche Schwierigkeiten sind in diesen 50 Jahren unserer Sache eingetreten, doch Dank der Uneigennützigkeit jener Männer, die an der Spitze standen, und all’ der vielen Imker Badens, die öffentlich und im Stillen mitwirkten, ist es stetig vorwärts gegangen. Der Landesverein umfaßt jetzt eine Mitgliederzahl von beinahe 10‌ ‌000 Mitgliedern, eingeteilt in 97 Bezirksvereine, die bald mit größerer, bald mit geringerer Mitgliederzahl die imkerliche Sache vertreten. Über die Verteilung dieser Bezirksvereine gibt umstehende Karte Aufschluß, die wir der sorgfältigen, unterstützenden Mitarbeit des Großh. Statistischen Landesamtes verdanken.

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Noch deutlicher als aus den angeführten Vereinszahlen geht die Bedeutung und der Aufschwung der badischen Bienenzucht aus einem Vergleich mit dem Stand der Bienenzucht in den übrigen Bundesstaaten hervor.

In Bezug auf die Stöcke beweglichen Baues nimmt Baden unter den wichtigsten Bundesstaaten des Deutschen Reiches die erste Stelle ein, was bei den Honigernten außerordentlich ins Gewicht fällt, weil erfahrungsgemäß ein Mobilvolk durchschnittlich einen 4mal so großen Ertrag abwerfen kann, wie ein Korbvolk. In der Tat ist auch die Honigproduktion in Baden gegenwärtig eine ganz bedeutende. Wie die reichsamtlichen Erhebungen vom Jahre 1900 ergaben, belief sich der Ertrag aus der deutschen Bienenzucht im genannten Jahr auf 149‌ ‌501 Doppelzentner Honig. Hiervon erntete Baden 10‌ ‌955 Doppelzentner, also rund den dreizehnten Teil der deutschen Ernte, während es damals mit seinen 107‌ ‌893 Stöcken nur etwa den 24. Teil der in Deutschland ermittelten Bienenvölker besaß. Der Kaufwert des 1900 in Deutschland ermittelten Honigertrages belief sich auf 29‌ ‌900‌ ‌200 M, wovon 219‌ ‌100 M auf Baden entfielen. Nach den mit Unterstützung des Großh. Statistischen Landesamtes in Baden gemachten Erhebungen betrug der Honigertrag im Durchschnitt pro Jahr 8‌ ‌448 Doppelzentner. Selbst wenn durch ein schlechtes Jahr diese Durchschnittserträge noch weiter herabgedrückt würden, kann man getrost das Honigerträgnis in Baden auf mindestens 1 Million Mark beziffern.

Auch in Bezug auf die Völkerzahl hat die badische Bienenzucht einen gewaltigen Aufschwung erlebt. Von nicht ganz 50‌ ‌000 Völkern ist es seit Bestehen des Vereins in Baden auf 116‌ ‌827 hinaufgegangen. Welchen Anteil der Landesvereien an dieser gewaltigen Vermehrung hat, das geht daraus hervor, daß der Landesverein 55% aller Bienestöcke und stark 62% der Mobilstöcke im Lande besitzt. Auf die fast zweieinhalbmal so große Zahl der dem Verein noch nicht angeschlossenen Bienenhalter entfallen somit nur 45% der Bienenstöcke überhaupt und nur schwach 38% des Mobilbaus.

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Welche Rolle beim Aufschwung der badischen Bienenzucht der Mobilstock gespielt hat und noch heute spielt, das zeigen folgende vergleichende Bilder und Zahlen.

Wie wir schon gesehen, wächst aber auch mit der Zahl der Mobilstöcke die Rentabilität der Bienenzucht. Die Folge davon ist eine eingetretene höhere Würdigung dieses Zweiges der Landwirtschaft und eine Festigung des Vertrauens der Imker zu ihrer Sache, was daraus hervorgeht, daß man durchweg im Lande auf die Ausstattung der Bienenstände und die Bienenpflege einen erhöhten Wert legt. Die Bienenzüchter betrachten ihre Sache nicht mehr als eine Beschäftigung, die unter günstigen Umständen rentieren kann, sondern als einen Betrieb, dessen Anlagekapital sich reichlich verzinst.

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So stehen wir beim 50jährigen Vereinsjubiläum auf erfreulicher Höhe mit der Bienenzucht in Baden. Noch sind wir nicht am Ziele. 10‌ ‌000 badische Imker sind noch für die Bestrebungen unseres Vereins zu gewinnen, unsere Sache hat sich noch mehr wie bisher die ihr gebührende Stellung zu erringen, gleichgültige Bienenhalter auch viele Bienenzüchter sind bekannt zu machen mit den Bestrebungen und Erfolgen der neuzeitlichen Bienenzucht, für unsern Honig ist der notwendige gesetzliche Schutz zu erwerben, die Gefahren der Faulbrut und anderer Bienenkrankheiten sind abzuwehren und der Verein selbst ist entsprechend seiner Bedeutung und Größe weiter auszubilden, das sind Aufgaben, die unserer warten. Möge die badische Imkerschaft aus dem Rückblick auf die vergangenen 50 Jahre den Mut nehmen, rastlos weiter zu streben, und das Vertrauen zu ihrer Sache, daß die Ziele erreicht werden, wenn wir einig und eifrig sind, wie es den rechten Imkern geziemt.

Das war die Geschichte der badischen Bienenzucht bis 1907, soweit sie von Karlheinz Hofmann für die Jubiläumsfestschrift 1982 zusammengetragen wurde.

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